Drei „kleine „Italiener“
„Eine Reise in den Süden ist für andere schick und fein, doch zwei kleine Italiener möchten gern zuhause sein“, sang Conny Froboes 1962, ein Lied, fern von echter Sozialkritik das Thema Migranten betreffend, doch sechs Wochen lang in den Charts auf Platz 1.
Antonio Bruno, Carmine Pulice mit Sohn Antonio sind nun drei Italiener aus Kalabrien und auch nicht klein, und sie sind gesuchte Fachleute für die traditionelle Herstellung von Terrazzoböden. (Terrazzo ist ein Gemisch aus Natursteinkörnern und Zement und wird vor Ort angefertigt.) Zurzeit arbeiten unsere drei in einem Wohnhaus im Östlichen Ringgebiet.
Bei einem Feierabendbier in der Gaststätte „Zu den Vier Linden“ staunten sie nicht schlecht über das dortige Wandbild des Saales der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin. Der darauf abgebildete wunderschöne, mehrere hundert Quadratmeter große Terrazzofußboden wurde von ihnen im Jahre 2001 als Mitarbeiter der Firma“ Terrazzo Ranft aus Olching bei München kunstvoll verlegt. Aber damit nicht genug. Sie entdeckten an einer anderen Wand Plakate ihres Lieblingsvereins Juventus Turin. Dieser bestritt 1968 drei Europacupspiele gegen die Eintracht aus Braunschweig, die 1967 Deutscher Fußballmeister geworden war. Der Lindenwirt Wolfgang „Elvis“ Haberkamm hat die Plakate dieser Begegnungen nicht nur unter Glas, sonder als Photokopie zum verschenken. Stolz ließen sich unsere drei „Tifosi“ damit von Dirk Alper fotografieren, und Carmine erzählt, dass auf ihn auch Frau und Tochter warten, wenn er mal keinen Terrazzoboden in Deutschland herstellt.“ Oh Tina, oh Marina, wenn wir uns einmal wieder sehen“, heißt es auch im Lied.
Irina Streilinger: Stadtgeflüster.BZ 26.8.2008
- Foto: Dirk Alper